Österreich gehört zu den Recycling-Vorreitern in Europa – die Mülltrennung wird hier sehr ernst genommen. Wer einen Umzug nach Österreich plant, sollte sich mit dem Abfallsystem vertraut machen, denn die Regeln sind strenger als in vielen anderen Ländern. Dieser Guide erklärt Ihnen alle Abfallkategorien, Sammelsysteme und Regeln, die Sie nach dem Umzug kennen müssen.
Warum Mülltrennung in Österreich so wichtig ist
Österreich recycelt über 58 Prozent seines Abfalls und liegt damit weit über dem EU-Durchschnitt. Die korrekte Mülltrennung ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben. Falsches Trennen kann zu Beanstandungen durch die Hausverwaltung und im schlimmsten Fall zu Geldstrafen führen.
Nach Ihrem Umzug nach Österreich werden Sie feststellen, dass in jedem Wohnhaus mehrere Tonnen und Container für verschiedene Abfallarten bereitstehen. Hier ist Ihr Überblick:
Restmüll – Die schwarze Tonne
Der Restmüll (auch Hausmüll genannt) umfasst alles, was in keine andere Kategorie fällt:
Gehört in den Restmüll:
- Verschmutzte Verpackungen, die nicht gereinigt werden können
- Hygieneartikel (Windeln, Binden, Wattepads)
- Staubsaugerbeutel
- Kaputte Kleidung und Schuhe
- Zigarettenstummel
- Katzenstreu
- Porzellan und Keramik
Gehört NICHT in den Restmüll:
- Batterien und Elektrogeräte
- Sperrige Gegenstände
- Problemstoffe (Farben, Lacke, Chemikalien)
Die Restmüllgebühr wird über die Betriebskosten Ihrer Wohnung abgerechnet. In Wien beispielsweise kostet die Müllabfuhr circa 3 bis 5 Euro pro Monat, je nach Tonnengröße.
Biomüll – Die braune Tonne
Biomüll wird in Österreich separat gesammelt und zu Kompost oder Biogas verarbeitet:
Gehört in den Biomüll:
- Obst- und Gemüsereste
- Kaffeefilter und Teebeutel
- Eierschalen
- Schnittblumen und Pflanzenreste
- Gartenabfälle (Laub, Rasenschnitt)
- Kleine Mengen Küchenkrepp und Zeitungspapier (als Feuchtigkeitsschutz)
Gehört NICHT in den Biomüll:
- Gekochte Speisereste (je nach Gemeinde unterschiedlich)
- Knochen und Fleischreste (in manchen Gemeinden erlaubt)
- Plastiktüten – auch keine „kompostierbaren" Plastiktüten
- Asche
Tipp: Verwenden Sie zum Sammeln Papiertüten oder wickeln Sie den Biomüll in Zeitungspapier ein. Plastiktüten sind in der Biotonne streng verboten.
Altpapier – Die blaue Tonne
Papier und Karton werden getrennt gesammelt und hochwertig recycelt:
Gehört ins Altpapier:
- Zeitungen, Zeitschriften und Prospekte
- Kartons und Schachteln (bitte flach zusammenfalten)
- Bücher (ohne Plastikeinband)
- Briefe und Umschläge
- Papierverpackungen
Gehört NICHT ins Altpapier:
- Beschichtetes Papier (z. B. Thermopapier von Kassenbons)
- Stark verschmutztes Papier (z. B. Pizzakartons mit Fettflecken)
- Tapeten
- Windeln und Hygienepapier
Gelber Sack / Gelbe Tonne – Verpackungen
Der Gelbe Sack (in manchen Regionen auch die Gelbe Tonne) sammelt Leichtverpackungen aus Kunststoff und Metall:
Gehört in den Gelben Sack:
- Plastikflaschen (PET-Flaschen)
- Joghurtbecher und Plastikschalen
- Konservendosen und Getränkedosen
- Alufolie und Aluschalen
- Styroporverpackungen
- Tetrapak-Verpackungen
- Plastiktüten und Folien
Gehört NICHT in den Gelben Sack:
- Spielzeug oder andere Gegenstände aus Plastik (die keine Verpackungen sind)
- Elektrogeräte
- CDs und DVDs
Wichtig: Seit 2025 gilt in Österreich eine einheitliche Regelung – der Gelbe Sack nimmt nun alle Kunststoff- und Metallverpackungen auf. Spülen Sie die Verpackungen kurz aus, bevor Sie sie einwerfen.
Glascontainer – Weiß und Bunt getrennt
Glas wird in Österreich nach Farbe getrennt gesammelt:
Weißglas (grüner Deckel oder weißer Container)
- Klare, durchsichtige Glasflaschen und Gläser
- Beispiele: Essiggurken-Gläser, weiße Weinflaschen, Wassergläser
Buntglas (brauner Deckel oder grüner Container)
- Farbiges Glas jeder Art: grün, braun, blau
- Beispiele: Bierflaschen, Olivenölflaschen, braune Medizinflaschen
Nicht in den Glascontainer:
- Trinkgläser und Kristallglas
- Fensterglas und Spiegel
- Glühbirnen und Energiesparlampen
- Porzellan und Keramik
Die Glascontainer stehen in der Regel in jedem Wohngebiet an öffentlichen Sammelstellen. Bitte werfen Sie Glas nur zu den erlaubten Zeiten ein – in den meisten Gemeinden ist das Einwerfen zwischen 7 und 20 Uhr gestattet, um die Nachbarn nicht zu stören.
Sperrmüll – Große Gegenstände richtig abgeben
Beim Umzug nach Österreich fällt oft Sperrmüll an, sei es durch ausgediente Möbel oder Verpackungsmaterial. So funktioniert die Sperrmüllabgabe:
Abholung
- In den meisten Gemeinden können Sie kostenlose Sperrmüllabholungen beantragen – in Wien zum Beispiel über die MA 48
- Die Abholung erfolgt nach Terminvereinbarung
- Maximale Menge: In der Regel bis zu 2 Kubikmeter pro Abholung
Mistplätze (Recyclinghöfe)
Mistplätze sind kommunale Sammelstellen, an denen Sie verschiedene Abfallarten abgeben können:
- Sperrmüll und Altholz
- Elektrogeräte und Elektronikschrott
- Problemstoffe (Farben, Lacke, Spraydosen)
- Altkleider
- Metall und Bauschutt (in kleinen Mengen)
In Wien gibt es 19 Mistplätze, die in der Regel von Montag bis Samstag geöffnet sind. Die Abgabe ist für Wiener Haushalte kostenlos (mit Meldezettel-Nachweis).
Pfandsystem in Österreich
Seit 2025 gibt es in Österreich ein Einwegpfandsystem:
- PET-Flaschen: 25 Cent Pfand
- Dosen: 25 Cent Pfand
- Rückgabe an Pfandautomaten in Supermärkten
Mehrwegflaschen haben in Österreich schon lange Tradition:
- Bierflaschen: Meist Mehrweg mit Pfand
- Mineralwasserflaschen: Zunehmend wieder als Mehrweg erhältlich
Strafen bei falscher Mülltrennung
Falsche Mülltrennung wird in Österreich nicht auf die leichte Schulter genommen:
- Beanstandung durch die Hausverwaltung: Bei wiederholten Verstößen drohen Ermahnungen und im schlimmsten Fall Konsequenzen für das Mietverhältnis
- Illegale Ablagerung: Das Abladen von Müll in der Natur oder an nicht dafür vorgesehenen Stellen kann mit Geldstrafen von bis zu 7.260 Euro geahndet werden
- Gewerbliche Verstöße: Für Unternehmen gelten noch strengere Vorschriften und höhere Strafen
Tipps für die Mülltrennung nach dem Umzug
Nach Ihrem Umzug nach Österreich helfen Ihnen diese Tipps bei der korrekten Mülltrennung:
- Informieren Sie sich bei der Hausverwaltung: Jedes Wohnhaus hat eigene Regeln und Abholtermine
- Gemeinde-App nutzen: Viele Gemeinden bieten Apps mit Abfallkalendern und Trennhilfen
- Küche organisieren: Stellen Sie mehrere Behälter auf – für Restmüll, Biomüll, Verpackungen und Papier
- Im Zweifel: Restmüll: Wenn Sie nicht sicher sind, wohin etwas gehört, ist der Restmüll die sicherste Wahl
- Verpackungsmaterial vom Umzug: Kartons ins Altpapier, Folien in den Gelben Sack, Styropor ebenfalls in den Gelben Sack
Professionelle Unterstützung bei Ihrem Umzug
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